Arbeitstechniken

„Kunstwürdig“ ist sowohl für meine Bilder wie für die Collagen und Objekte grundsätzlich so gut wie jedes Material. Ich begnüge mich nicht mit der Farbe, wie es die Aquarell- oder die Ölmalerei traditioneller Weise tun, sondern bediene mich der Farbigkeit und der Strukturen unterschiedlicher Materialien, die den Betrachtern der Bilder und Objekte auch dann einen sinnlich-haptischen Eindruck vermitteln sollen, wenn sie sie nicht berühren. Auf den Untergrund, z.B. Pappe, Tapete, Verpackungsfolien, CD-Scheiben, Karton, Holz, Linoleum, werden Schicht um Schicht Acryl, Öl, Kreide, Pigmente, Graphit, Asche, Leim, Haare, Vlies, Filz oder Sand in unterschiedlicher Körnung aufgetragen, um Teile des Materials danach durch Kratzen, Schleifen, Spachteln, Wischen – zum Teil bis auf die Unterlage – wieder abzutragen. Durch farbige Oberflächenbearbeitung oder überraschendes Arrangement wird ein schon „verbrauchtes“, also an sich wertloses Material zu Bildräumen verarbeitet. Ich male nicht ab, sondern fange Linien, Formen, Farben aus der Erinnerung ein, um sie zu stillen, oft meditativen Räumen zu komponieren. Sind viele meiner Bilder nach wie vor stark geprägt von der Landschaft und den nordischen Lichtverhältnissen meiner finnischen Heimat, so lassen vor allem die Collagen und Objekte meine Beschäftigung mit der Bildhauerei erkennen. Die Mischtechnik (Gouache), das Verbinden ganz unterschiedlich strukturierter Materialien mit Öl oder Leim, dieses Auf- und Abtragen, Reiben, Kratzen, Wischen, Löschen, Spachteln liegt dem plastischen Gestalten des Bildhauers näher als traditioneller Öl- und Aquarellmalerei. In den letzten Jahren traten zu den Bildern vermehrt Objekte und Collagen hinzu. Auch dabei verwende ich nahezu alles, was mir im Alltag an Material begegnet und bearbeite es teils nur sehr wenig. Wirkung beim Betrachter versuche ich dadurch zu erzielen, dass ein Fundstück isoliert oder in Kombination mit anderen auf neutralem Untergrund präsentiert wird. Damit provoziere ich eine Auseinandersetzung, die nicht gelenkt oder thematisch eingeengt ist, sondern es Betrachtern ermöglicht, den eigenen Assoziationen ihren Lauf zu lassen. Naturprodukte ebenso wie Abfall unserer Zivilisationsgesellschaft werden mit dem Ziel der Reduktion auf Wesentliches bearbeitet. Dabei besteht das Bearbeiten oft weniger im Modellieren als im Weglassen und in der kreativen Kombination unterschiedlicher Teile. Die Darstellung menschlicher Gestalten spielt in meinen Arbeiten eine bedeutende Rolle. Sie werden so wenig wie die Landschaften „abgemalt“, „porträtiert“, sondern in menschlichen Ur-Situationen in einem mal engen, mal weiten Raum dargestellt: vereinsamt, verliebt, traurig, nachdenklich.